Campen im Herbst oder Instagram vs Reality

english version below

Campen im Herbst – das Laub färbt sich, die Sonne strahlt, man erlebt einen indian summer, kuschelt sich mit Decke aufs Sofa bzw die Sitzgelegenheit, zündet eine Kerze an und liest ein Buch #fail

Die Wahrheit

Campen im Herbst ist bei weitem nicht so schön, wie es sich anhört. Zumal es ja schon daran scheitert, dass mein Van eine Holzverkleidung hat, also Kerzen bitte nur unter Aufsicht.

Aber von vorn: Ich komme relativ zeitig 17 Uhr an, dennoch ist alles schon stockduster. Außerdem regnet es wie Mist, ich muss erst einmal den Strom anschließen. Dabei muss man aufpassen, dass man eine wasserdichte Verkleidung hat, sonst gibt es beim ersten Regenguss einen Kurzschluss, und der betrifft dann meist alle auf dem Campingplatz und man macht sich sofort Freunde (obwohl beim Campen meist alle gegenseitig helfen). Ich habe mir eine kleine Box für 3€ aus dem Baumarkt gekauft.

Das Wasser muss man für den Wassertank noch befüllen, eventuell Abwasser herausholen. Da sich mein Abwasser Tank im Kofferraum befindet, muss ich wohl oder übel den Kofferraum öffnen, was bedeutet, dass in dem Moment mein Bett voll geregnet wird (ich habe ja keinen Regenschirm, der 2,70m hoch ist…).

so weit so gut

Dann steht also endlich der kleine Tritt und meine Vorlegematte (ja man wird älter und genießt die kleinen Annehmlichkeiten, manche würden es vielleicht schon Glamping nennen: Glamour Camping); und kann dann endlich den Van betreten. Meine Klamotten sind pitschenass und ich will nichts wie rein ins trockene Auto. Doch was mache ich mit meinen Schuhen??? Nun im Sommer kann man die gut mal draußen stehen lassen, doch im Dauerregen auch keine gute Idee. Also nehme ich meine ganzen nassen Klamotten mit ins Auto, plus meine vollgematschten Schuhe. Da ich ein digital native bin, habe ich natürlich nicht zufällig eine alte Zeitung dabei; nein ich stelle meine Schuhe verkehrt herum auf ein Handtuch, ähm Stichwort Minimalismus. Ich habe nur ein großes und 2 kleine Handtücher dabei… ok man kann ja waschen, aber doch bitte nicht für ein Teil?!

Flynn und der Bodensee, die Bademaus

Nun bin ich also endlich angekommen und trocken, schreit der Kater, dass er doch bitte auch einmal raus möchte (wir sind am Bodensee). Schlaues Kerlchen, ich staune immer wieder über ihn. In Köln auf einem engen Stellplatz und in Stuttgart auf dem Parkplatz wollte er kein einziges Mal raus, hier am Bodensee kaum angekommen, drängt er nach draußen. Soll er machen. Es gefällt ihm. Doch jedes Mal, wenn Meister Petz wie eine Bademaus reinkommt, putze ich ihm erstmal die kleinen nassen Pfoten und den Pelz. Das Spiel spielen wir mehrere Male am Abend. Das Ende vom Lied ist, das mein weißes Bettlaken nun braune Tatzen besitzt, auch ein cooles Muster.

Der Weg zu den sanitären Anlagen (und der Weg ist nicht das Ziel)

Selbst der Weg zu den sanitären Anlagen ist eben bei Wind und Wetter, gerade morgens oder bevor man ins Bett geht und schon runter fährt, einfach nass und a*kalt. Außerdem ist es stockduster, also immer eine Taschenlampe oder Handy mitnehmen, neben Handtuch, Waschtasche und Maske. Rückzu geht es leicht bergab, da besteht schon Rutschgefahr, denn ein unbefestigter Weg kann sich bei mehreren Tagen Regen eben zu einem kleinen SChlammweg entwickeln.

sonorer trommelrhythmus: Der Regen donnert aufs Dach

Außerdem besitzt der Van, in seinem ersten Leben ein Lieferwagen, ein Blechdach. Jeder der mal unter einer Dachschrägen geschlafen hat bei Regen, kann sich annähernd vorstellen, wie sich das bei mir anhört. Es tobt die ganze Nacht… und geht den nächsten Morgen weiter…Also für eine Meditation oder zum Arbeiten auch nicht unbedingt geeignet. Zusätzlich kommt hinzu, dass mein Seitenfenster bei Starkregen undicht ist und etwas Wasser ins Auto läuft…

Sachen trocknen im Auto

Des Weiteren müssen ja meine nassen Sachen und nun auch Handtücher etc. ebenfalls im Auto getrocknet werden. Da hilft nur eine Standheizung und die ist bei 9 Grad Außentemperatur im Dauereinsatz. Ich schwöre, die beste Entscheidung meines (Van-)Lebens. Jedenfalls sieht es dann auch nicht mehr so schick minimalistisch und aufgeräumt im Wagen aus, sondern eher wie Bombeneinschlag…

Instagram vs. Reality

Bei Instagram postet jeder von seinem Einhorn-Leben mit Glitzer obendrauf. Alle erleben großartige Sachen und es geht von einem Highlight ins Nächste. Selbst Models nutzen Photoshop, noch ein Filter drauf und junge Frauen rennen z.B. einem Schönheitsideal hinterher, was gar nicht existiert. Es wird von #couplegoals geschrieben und sich öffentlich die Liebe gestanden und 2 Monate später trennen sich genau diese Traumpaare.

Die Wahrheit ist: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. So eben auch nicht der goldene Herbst. Denn auch die Regentage gehören zum (Van-)Leben dazu und das ist vollkommen in Ordnung und normal. Wichtig ist doch, wie wir damit umgehen.

Als ich durch den Sonnenscheinstaat Kalifornien mit einem Camper gefahren bin, war es eines Morgens bewölkt und ich hatte gleich gar keine Lust, aufzustehen und etwas zu unternehmen. Und plötzlich dachte ich mir: „Hey, es ist Mittwoch, die meisten Deutschen sitzen gerade am Arbeitsplatz, ich habe frei, bin in Kalifornien und bin unzufrieden, weil ich mit meinem Campervan 50 Meter vom Meer weg stehe und eine Wolke am Himmel ist.“ Und sogleich hat sich meine Stimmung erhellt (von innen) und ich hatte Lust, in den Tag zu starten und für neue Erlebnisse.

Wir bewerten ständig: gutes Wetter, schlechtes Wetter, hell/dunkel, Mann/Frau, gut/schlecht, weiß/schwarz; weil wir in einer Welt der Dualität leben.

Schauen wir uns ein Kind an: mit Regenjacke und Gummistiefeln hüpft es durch die Pfütze, weil es kein schlechtes Wetter kennt, sondern die Dinge so nimmt, wie sie sind. Akzeptanz. Es ist das, was es gerade ist.

Es gibt wirklich schlimme Dinge auf der Welt: wie Drogen-, Waffen- und Menschenhandel, Zwangsprostitution, Gewalt, AIDS, Hunger, Dürre – und ernsthaft ich rege mich übers Wetter auf?!

Ich bin ein sehr dankbarer Mensch, dadurch genieße ich auch die kleinen Freuden des Lebens und das sind mitunter eben trockene Socken und kein Schlamm im Wohnwagen.

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Camping in autumn

– the leaves change color, the sun shines, you experience an Indian summer, snuggle up with a blanket on the sofa or the seat, light a candle and read a book #fail


The truth


Camping in autumn is by far not as nice as it sounds. Especially since it already fails because my van has a wood panelling, so candles please only under supervision.
But from the beginning: I arrive relatively early at 5 pm, but everything is already dark. Besides it’s raining like crap, I have to connect the electricity first. You have to make sure that you have waterproof connection, otherwise there will be a short-circuit at the first rain shower, and that usually affects everyone on the campground and you immediately make friends *haha* (although everyone usually helps each other when camping). I bought a small box for 3€ from the hardware store.
You have to fill the water for the water tank, maybe you have to take out grey water. Since my waste water tank is in the trunk, I have to open the back, which means that my bed will be rained out (I don’t have an umbrella, which is 2,70m high…)


so far so good


Then finally the small kick and my mat (yes, one gets older and enjoys the small amenities, some might call it glamping: Glamour Camping); and finally I can enter the van. My clothes are soaking wet and I want to get into the dry car. But what do I do with my shoes? Well, in summer you can leave them outside, but in the constant rain it’s not a good idea. So I take all my wet clothes into the car, plus my muddy shoes. Since I’m a digital native, I don’t happen to have an old newspaper with me, of course; no, I put my shoes upside down on a towel, um, keyword minimalism. I only have one large and 2 small towels with me… ok you can wash, but please not for one part?


Flynn and the Bodensee, wet-cat


So now I finally arrived and dry, the cat cries out that he would like to get out as well (we are at Lake Bodensee). Clever little fellow, I am always amazed about him. In Cologne on a narrow parking lot and in Stuttgart on the parking lot he didn’t want to get out even once, here at Lake, hardly arrived, he pushes outside. Let him do it. He likes it. But every time Master Petz comes in like a bath mouse, I clean his little wet paws and fur. We play this game several times in the evening. The end of the song is that my white sheet now has brown paws, also a cool pattern.


The way to the sanitary facilities (and the way is not the goal)


Even the way to the sanitary facilities is simply wet and F*cold in wind and weather, especially in the morning or before you go to bed and already drive down. In addition, it is pitch dark, so always take a flashlight or cell phone along with a towel, wash bag and mask. Back to it it goes easily downhill, there is already danger of slipping, because an unpaved way can develop with several days of rain evenly to a small muddy way.


sonorous drum rhythm: the rain thunders onto the roof


In addition, the van, in its first life a delivery van, has a tin roof. Anyone who has ever slept under a pitched roof in the rain can roughly imagine how it sounds to me. It rages the whole night… and continues the next morning… So not really suitable for a meditation or for working.


Drying things in the car


Furthermore my wet clothes and now also towels etc. have to be dried in the car. The only thing that helps is an auxiliary heater which is in continuous use at 9 degrees outside temperature. I swear, the best decision of my (van) life. Anyway, it doesn’t look so chic and minimalistic and tidy in the car anymore, but more like a bomb hit…


Instagram vs. Reality

On Instagram, everyone posts from their unicorn life with glitter on top. Everyone experiences great things and it goes from one highlight to the next. Even models use Photoshop, another filter on it and young women run after a beauty ideal, which does not even exist. Some write about #couplegoals and publicly confessed their love and 2 months later exactly these dream couples break up.
The truth is: All that glitters is not gold. Just as well not the golden autumn. Because even the rainy days are part of (van) life and that is perfectly fine and normal. What is important is how we deal with it.
When I drove through the sunshine state of California in a camper, it was cloudy one morning and I didn’t feel like getting up and doing anything. And suddenly I thought to myself: „Hey, it’s Wednesday, most Germans are working right now, I’m off, I’m in California and I’m not happy because I’m standing 50 meters from the sea with my camper and there’s a cloud in the sky. And immediately my mood brightened up (from the inside) and I felt like starting the day to experience new adventures.
We constantly evaluate: good weather, bad weather, light/dark, men/women, good/bad, white/black; because we live in a world of duality.
Let’s take a look at a child: with a rain jacket and rubber boots it jumps through the puddle, because it doesn’t know bad weather, but takes things as they are. Acceptance. It is what it is right now.
There are really bad things in the world: like trafficking in drugs, weapons and human beings, forced prostitution, violence, AIDS, hunger, drought – and seriously I get upset about the weather?


I am a very grateful person, so I enjoy the little pleasures of life and these are sometimes just dry socks and no mud in the caravan.

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