Resümee nach 2 wochen reisen

ehrlicherweise 1 Woche, den Rest war ich im Campervan in Quarantäne

Wenn man hätte im Kalender einen Zeitraum anstreichen können, der ungünstiger hätte sein können für solch ein Unterfangen, dann wäre es definitiv diese Zeit jetzt gewesen…

Ich glaube an Schicksal, ich glaube an Gott und ich glaube, dass es einen Grund gibt, warum ich hier in Spanien festhänge.

Ich habe mal für ein Reiseunternehmen gearbeitet und Reiseabende für Tageszeitungen moderiert. Dort durfte ich verschiedene Reisen vorstellen, unter anderem das Baltikum. In einem Abschnitt ging es um die kurische Nehrung und wie sehr Thomas Mann speziell Nidden/Nida liebte. Er lebte dort in seinem Sommerhaus meist für 3 Monate, nannte das Haff “ die Sahara des Nordens“ und liebte „das Rauschen der See“. Eines meiner Lieblingszitate ist Folgendes:

…Man müsse diese Gegend gesehen haben, wie man Italien oder Spanien gesehen haben müsse („wenn einem nicht ein Bild in der Seele fehlen soll“).‘ Thomas Mann

Es mag lustig klingen, aber ich fühle mich ab und an wie Thomas Mann, oder zumindest wie einer dieser Schriftsteller, die sich irgendwohin zurückziehen, um in Ruhe zu schreiben, Thomas Mann eben ins Balitkum zur Kurischen Nehrung.

Ich wache hier jeden Morgen auf, schaue als erstes aufs Meer, habe die Berge im Rücken und genieße das Rauschen der Wellen (was bei starkem Wind so intensiv ist, das ich mir wünschte, einmal für 5 Minuten absolute Stille zu haben). Dann ist das Meer wieder so ruhig, das die kleinen Wellen ihre Mühe haben, den Strand überhaupt zu erreichen.

Ich habe mich freiwillig auf diese Isolation eingelassen. Ich bin jeden Tag dankbar, in meinem Campervan zu sitzen und muss mich kneifen, ob das überhaupt alles real ist (auch die Verrücktheit der Welt bezogen auf Corona).

Ich habe noch so viele Geschichten im Peto, die alle nur darauf warten, niedergeschrieben zu werden. Natürlich vermisse ich meine Familie und engsten Freunde. Doch ich habe Flynn meinen Kater bei mir, der mir immer ein Stück Heimat gibt. Mein Leben lang habe ich an jene Schriftsteller gedacht und glaubte, mich eines Tages irgendwann einmal in ein Haus im Wald zurückzuziehen, um selbst zu schreiben. Nun ist es also ein mobiles zu Hause geworden mit Blick aufs Mittelmeer.

Ich bin im Herzen erfüllt. Seit der Stage School, wo ich mir eigene Choreografien und Monologe ausdenken durfte, war ich nicht mehr so kreativ wie in diesen Tagen hier in Malaga.

Das könnte ich jetzt so stehen lassen, doch ich möchte noch einen kurzen Einblick geben, was so passiert ist:

  • ich startete meine Reise in München zum Arbeiten und selbst das fühlte sich schon wie Urlaub, oder zumindest intensiver/entspannter an. Morgens zwitscherten die Vögel und alles um mich herum war grün
  • die Fahrt von München über Österreich in die Schweiz ging relativ flott. Nichtsdestotrotz genoss ich die Alpen. Nachts ging der Mond über den Bergen auf (es war Vollmond) und ich hörte Mantras. Das war sehr besonders. Den nächsten Morgen startete ich zeitig, weil ich voran kommen wollte und Flynn mich nicht schlafen ließ. Somit nahm ich einen fantastischen Sonnenaufgang in Frankreich ebenfalls bei Bergen wahr
  • in Frankreich, speziell Südfrankreich war die Lage noch entspannt. Bis dato keine Hamsterkäufe. Montpellier ist eine zauberhafte Stadt, dazu kommt noch ein Beitrag. Ich habe in der Region Sète an einem Strandstellplatz übernachtet, wo man nur über die Dünen zum Meer laufen brauchte und schon war man da, der Strand heißt plage de 3digues – wunderschön.
  • Barcelona konnte ich mir gerade noch anschauen, dort waren zwar alle Restaurants und Cafés geschlossen (und ich hatte zu tun, überhaupt eine Toilette zu finden…). Für einen Reisejournalisten waren die wenigen Touristen zum Bilder machen allerdings eher positiv.
  • In Tarragona kam ich an ein wunderschönes Viadukt, die Energie war dort sehr besonders. Ich machte eine kleine Wanderung konnte die alten Bauten sogar überqueren.
  • Die Fahrt nach Malaga war aufregend, weil ich schon das Gefühl hatte, etwas Verbotenes zu tun (nicht gerechtfertige Reisen waren zu dem Zeitpunkt verboten). Ich passierte Alicante, Valencia und machte einen Zwischenstopp in Granada, um einen kurzen Blick auf die Alhambra zu erhaschen und wurde dort sehr unsanft von einem Security Mann verscheucht. Ich würde nicht mal sagen unsanft, eher verbal aggressiv. Also kämpfte ich mich im wahrsten Sinne des Wortes durch die Nacht. Solang ich eben wach bleiben konnte, fuhr ich. Ich frühstückte dann im Auto in Malaga, drehte noch fix im Van eine Runde durch die Stadt (quasi eine Stadtrundfahrt per Bus) und konnte dann 12 Uhr endlich auf meinen Campingplatz, wo ich meinen Stellplatz mit traumhaften Meerblick bekommen habe.
  • zur Quarantäne in Spanien gibt es einen eigenen Blogbeitrag

Begegnungen

Am Reisen finde ich immer das schöne die Begegnungen mit anderen Menschen, Kultur, Tradition und das Essen.

Die Welt ist ein Buch, wer nicht reist, sieht nur eine Seite.

  • in München traf ich ein Pärchen aus Großbritannien, die für 3 Wochen durch Europa reisten in ihrem VW Bus. Wir standen direkt nebeneinander. Im Badezimmer traf ich sie und dachte noch so: „Hmm in Kalifornien hab ich immer alle Leute angequatscht. Aber hier in Deutschland mache ich das nicht.“ und dann dachte ich mir, so ein Blödsinn, ich spreche einfach weiterhin jeden an. So kamen wir ins Gespräch. Die beiden hatten erst ganz frisch angefangen zu reisen, wie ich und waren ebenfalls Feuer und Flamme

Hmm in Kalifornien hab ich immer alle Leute angequatscht. Aber hier in Deutschland mache ich das nicht.“ und dann dachte ich mir, so ein Blödsinn, ich spreche einfach weirterhin jeden an

  • in Südfrankreich im Café traf ich einen Iren, dessen Mutter Deutsche ist und er freute sich, das er endlich mal wieder deutsch sprechen konnte. Er kommt seit 15 Jahren nach Pezenas (dort, ich ich Au-pair Mädchen war) und wir unterhielten uns eine halbe Stunde über die Gesamtsituation. Er gab mir auch noch einen Tipp, wo ich etwas ausdrucken konnte. Das wollte ich erst in Barcelona machen, aber mein Bauchgefühl sagte mir: erledige es lieber in Frankreich. Was gut war, denn in Barcelona war ja dann alles geschlossen…
  • in Tarragona traf ich ein französisches Pärchen, Kevin und Vita, die ebenfalls mit ihren 2 Katzen reisten. Flynn machte aber um die beiden Katzen-Ladies einen Bogen. Nichtsdestotrotz hatten wir 3 uns viel auf französisch zu erzählen. Die beiden kamen aus Portugal und Spanien und meinten, dass alle Strände gesperrt wären. Ich hielt trotzdem Kurs und fuhr weiter nach Malaga
  • Hier bin ich nun gelandet und habe einen netten Nachbarn namens Hannes, mit Hamburger Kennzeichen^^, der bereits seit 5 Jahren in Spanien lebt. Er reist mit seinem Hund Mozart. Er ist ein Kumpeltyp, auf den man sich verlassen kann, bringt immer Sachen aus dem Supermarkt mit und hilft und erklärt. Er erinnert mich an meinen ehemaligen Schwiegervater und ich finde es interessant, wie perfekt das Universum agiert und mich genau neben ihn stellt. Ich habe wahrscheinlich noch eine Runde zu drehen mit dem Ex-Schwie^^


Ich habe jetzt schon Feedback von einigen Lesern/Followern bekommen, die meinten, sie hätten nicht gedacht „Das ich so drauf bin.“ (ich mutmaße, im Campervan zu reisen). In der Tat beruflich schätze ich es, professionell zu sein, eine gute Arbeit zu leisten und schicke Sachen, hohe Schuhe sowie Bühnen Make-up zu tragen, – von legere über business, business cashual, business chic bis haute-couture

Privat schätze ich die Natur und die Ruhe. Ich trage im Urlaub nie oder kaum Make-up und reise u.a. mit Backpack 6 Wochen durch die Welt mit 5 T-Shirts und 2 Hosen. Das geht auch.

Ich merke, das mein Leben immer minimalistischer wird.

Das befreit mich ungemein.

Im Campervan das bin einfach so 100% ich. #gypsylife.style

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