Hat Flynn das fahrende Zu Hause als Revier akzeptiert?

Die erste Nacht habe ich auf dem Garagenhof meiner Eltern verbracht. Ich habe Flynn vom Haus meiner Eltern in den Campervan getragen (damit er nicht für 15 Meter in die Box muss, also um unnötigen Stress zu vermeiden). Da die Schiebetür beim Camper sehr schwer ist, habe ich ihn erstmal auf den Boden gesetzt in den Van, um dann die Tür zu schließen. In dem Moment ist Meister Petz aber schon aus dem Van in Richtung Haus meiner Eltern gelaufen und hat sein Desinteresse bekundet.
Es gab einen 2. Anlauf. Ich trage ihn wieder in den Wagen und meine Mama schließt hinter uns die Tür. Die Katze ist also nicht im Sack, sondern in der Mausefalle sozusagen.

Er hat erstmal lautstark protestiert und jämmerlich tief gemautzt. Nach ein paar Minuten war das aber weg und ich konnte schlafen gehen.

Die nächste Nacht habe ich bzw. wir nochmal tiefenentspannt im Haus meiner Eltern geschlafen.

Danach ging es nach München. Die erste Nacht hat Flynn dort keinen Mucks gesagt, weil er sich einfach 2 Tage verkrochen hat. Ja es tat mir schon leid, dass ich in München den ganzen Tag unterwegs war von morgens von der Probe bis spät abends, weil die Veranstaltung so lang ging. Als ich ankam hockte er noch genau dort, wo er saß, als ich gegangen bin, nämlich in einem Küchenschrank, den ich für meine Badsachen auserkoren habe. Nachts kam er dann aber in Fahrt, miaute und kratzte an der Tür. Weiß auch nicht, was er draußen erwartet hat.

Er hat auch die zwei Tage in München nichts gefressen, was mir wirklich sehr zu denken gegeben hat. Da habe ich ernsthaft überlegt, ob ich zurück zu meinen Eltern fahre und ihn wieder abgebe. Doch ich dachte mir: ganz ehrlich: Flynn ist für mich ein Kindersatz. Wenn ich ein Kind hätte (oder jemand anderes in meiner Situation), würde man nie auf den Gedanken kommen, das Kind nicht mitzunehmen. Alle reden immer von Eingewöhnung. Also dachte ich mir: ok die Reise ist 2 Wochen geplant, wenn er es wirklich so doof findet, dann waren es für ihn eben 2 anstrengende Wochen und dann mache ich es nie wieder mit ihm. Daher bin ich eben doch weiter gefahren.

Das Autofahren verträgt er ja gut so weit, weil er es gewohnt ist, seit er ein Babykätzchen war. Die meisten Katzen mögen Autofahren nicht, weil sie damit Tierarzt verbinden, weil das das einzige Mal ist, weshalb sie überhaupt Auto fahren. Von Hamburg ins Erzgebirge sind es ca 5 Stunden und das hat der Meister immer gut meistert. Ehrlich ich staune immer, weil ich ihm ja nicht sagen kann: „Hey wir fahren los, geh bitte nochmal auf Toilette“. Hat er immer schon großartig gemacht.

Dann ging es also über Österreich und die Schweiz nach Frankreich. An dem Tag bin ich sehr viel Auto gefahren. Ich packe Flynn nun nicht mehr in die Box, weil es, glaube ich, für ihn zu viel Stress wäre. Er hat sich nun nicht mehr besagte Schublade meiner Badsachen ausgesucht, sondern eine Truhe unter einer der Sitzgelegenheiten. Da lasse ich immer einen Spalt auf und er hüpft fröhlich rein und schläft dort – egal ob wir fahren oder nicht.

Das haben wir so beibehalten. Da ich wie gesagt in Richtung Frankreich lang gefahren bin, kam er dann spät abends irgendwann raus und während ich fuhr, sogar auf meinen Schoss. Das fand ich ja ziemlich niedlich. Wir haben dann auf einer Autobahnraststätte Halt gemacht. Nun war er munter und mautzte die ganze Zeit rum, er wolle raus. Nachts um 4 Uhr habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin mit ihm Gassi gegangen. Soll man an sich nicht machen, weil er dadurch merkt, das er nur zu miauen braucht und seinen Willen bekommt. Danach bin ich auch 5.30h losgefahren, weil ich nicht mehr pennen konnte (er dann aber schon =) )

Am nächsten Tag waren wir dann nachts in Sète, auf einem ruhigen Stellplatz weit ab von anderen Campern. Auch hier machte Flynn Rabatz und kratze das erste Mal an den Fenstern den Sichtschutz ab. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich selbst nicht, dass das „nur“ ein Sonnenschutz ist, der mit einem Stoff überzogen wurde. Habe also dank Flynn noch was gelernt. Jedenfalls auch in dieser Nacht wurde heftig gemautzt (ich glaube, weil er noch nervös war, im neuen zu Hause zu sein).

Irgendwann habe ich dann kapituliert, nachdem ich die dritte Nacht in Folge selbst kaum schlafen konnte und habe ihn einfach rausgelassen.

Danach habe ich mich gemütlich ins Bett gelegt.

Keine 5 Minuten später bin ich aufgeschreckt, habe Alarm geschoben und meine Katze gesucht. Habe ihn dann im Regen gefunden (er wollte ja freiwillig raus) und ihn wieder eingesammelt. Das ging dann von der Schlaferei.

Die nächsten 2 Tage waren wir in Barcelona auf einem Campingplatz und dort hatte ich dann nachts endgültig die Nase voll. Ich hatte ja einen GPS Tracker gekauft (zum einen fürs Auto, zum anderen für die Katze, aber habe eben einen für Tiere gekauft, den ich anlassen wollte, wenn ich tagsüber nicht am Auto bin, falls es jemand klaut) und habe ihn in die Freiheit entlassen. So ganz konnte ich der Sache nicht trauen und bin ständig per Handy mitgelaufen, wo denn dieses Katertier steckt. Das GPS ist schon genau und hat auch einen Live-Tracker. Doch einmal soll er angeblich genau neben mir gestanden haben, da habe ich ihn aber nicht gesehen. Irgendwann war ich müde, bin dann ohne Katze ins Wägelchen und später stand er dann quietschvergnügt vor der Tür. Die erste Nacht, wo ich mal halbwegs schlafen konnte.

Danach ging es nach Tarragona, wo wir die beiden anderen Kätzchen kennen gelernt haben. Dort erfuhr ich von den stolzen Katzeneltern, dass die beiden Mietzis nachts artig schlafen. Die beiden kommen tagsüber raus und haben eine lange Leine, wo sie alles rund ums Auto erkunden können. Tolle Idee. Nur leider hat im Moment kein Tierladen auf, ergo gibt es für Flynn auch keine lange Leine. In Tarragona sind wir etwas durch den Wald spaziert und ich habe gestaunt, wie viel Spaß Flynn das gemacht hat. Auch hier habe ich ihn nachts rausgelassen.

Ab und an lasse ich ihn übrigens auch aufs Dach. Das findet er, glaube ich, ganz cool, weil er einen tollen Rundum-Blick hat. Irgendwann springt er dann wieder ins Auto und erschlägt mich dabei halb. Jao wie ging das noch: Kraft ist Masse mal Beschleunigung: so 5 Kilo Katze von knapp einem Meter vom Dachfenster aufs Bett und auf mich drauf, da wirken schon Kräfte.

In Malaga habe ich eine Nacht noch in einem Wohngebiet geschlafen, da ich ja nachts aus Granada verscheucht wurde. Dort im Wohngebiet war es mir aber zu unsicher und deshalb bin ich selbst nur eine kurze Runde mit Flynn gelaufen und habe wieder eine bescheidene Nacht erlebt. Er kratzt dann und mautzt. Eigentlich soll man das Ignorieren, aber mir fällt es schwer. Außerdem will ich den Wagen vielleicht irgendwann verkaufen, da soll er auch nicht total runtergekommen und zerkratzt sein.

Seit wir in Malaga auf dem Campingplatz stehen, gehört er nun nachts offiziell zu den Freigängern.

Ich habe Vertrauen, oder muss Vertrauen haben, dass er immer zu mir zurückkommt. Ich habe aber auch Vertrauen in die Technik, nämlich ins GPS. Ohne das darf er nicht raus. Ich würde mir ja wünschen, dass er rauskommt und ich mit ihm Gassi gehen kann. Aber dafür sind ihm, glaube ich, zu viele Hunde (inklusive Nachbarshund Mozart) unterwegs. Ich würde ihn ja auch alibimäßig gern mal mit an den Strand nehmen, dann hätte ich nämlich eine Berechtigung am Strand zu sein. Aber da ist er dann wieder total ängstlich.

Tagsüber pennt er (weswegen ich mir wegen München gar keine Sorgen mehr mache, weil er wirklich 12 Stunden schläft) und nachts dreht er auf. Das ist bisschen schade, denn in Hamburg hatten wir einen anderen Rhythmus. Da ist er morgens mit mir auf den Balkon gekommen zum Atmen und Meditieren und abends ging es nochmal kurz raus. Nachts wurde brav geschlafen.

Ich will ihn aber auch zu nichts zwingen. Er ist so tapfer, macht das alles großartig mit, gibt mir so viel Halt und ein heimisches Gefühl. Ich glaube, so können wir beide uns ganz gut arrangieren.

Er hat einen kleinen Kratzbaum mit dabei, Spielzeug, ein Körbchen (was er nicht mehr nutzt) und natürlich das Katzenklo. Das steht vorne im Beifahrerraum.

Ich würde ihn schon gern fragen: wenn du dich entscheiden könntest: würdest du lieber bei der Katzenoma im Erzgebirge sein oder bei mir?
Ich denke, da er sehr auf mich fixiert ist, würde er eher bei mir sein. Denn nun hat er das, was er immer wollte: nachts Freigang.

Der flauschige Pelz geht übrigens nachts an den Strand, aber ohne mich, das sehe ich ja im GPS. Ansonsten hält er sich immer in der Nähe meines Wagens bzw auf dem Campingplatz auf. Ich lasse meist eine Tür offen, damit er immer rein und raus kann. Zum Glück ist es nachts schon so warm, dass das geht.

Ich bin gespannt, wie es dann weitergeht, wenn wir von Malaga wegfahren werden, auf andere Campingplätze und vor allen Dingen in Hamburg. Ob er dann die köstliche Freiheit eben auch einfordert…

PS Katzenstreu und neues Futter aus Spanien wurden ebenfalls angenommen und er frisst auch ganz normal. Das ist #pawsome

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