Malediven – Trendziel 2016 – per Segelschiff

(Gastbeitrag veröffentlicht 2016 bei Reise-Know-how)

Wo man hinsieht, überall locken die Malediven. Egal ob auf der ITB in Berlin, im Internet oder beim Discounter. Die Malediven sind für jeden zu erreichen und reizen mit malerischen Buchten, freundlichen Menschen, Seafood ohne Ende, einsamen Cabanas und kilometerlangen, leeren Palmenstränden.

Doch was macht man auf so einer einsamen Insel, eine ganze Woche lang?

Langeweile – Fehlanzeige

Mir kamen die Malediven ganz gelegen, denn ich wollte einen Inselabstecher mit meinem Sri Lanka Urlaub verbinden. Flüge bekommt man ab Colombo nach Malé bereits für 200€. Wer ab Deutschland reisen möchte, kann in Berlin oder Frankfurt in den Flieger steigen, das ist meist mit ein oder zwei Zwischenstopps verbunden. Los geht es bei unter 500€ mit Oman Air.

Doch die Suche nach einer geeigneten Unterkunft, oder vielmehr einer Cabana auf Holzstelzen, die über dem Wasser thront, stellte sich als etwas schwierig heraus. Denn für eine Nacht kann man gut und gerne 800€ berappen. Als mir mein Freund die Preise zeigte, dachte ich, es handelt sich um den Preis pro Woche, aber es ist tatsächlich der Preis für eine Nacht. Bei einer Woche im Inselparadies ist man schnell mit 5000€ und 15.000€ dabei. Doch dann entdeckten wir eine Segeltour – jeden Tag schnorcheln, mehrere Inseln kennen lernen und schlafen an Bord – das klang abenteuerlich und bezahlbar. Hier zahlt man zwar auch für eine Woche Urlaub ohne Flüge 1500€ pro Person in der Doppelkabine, aber im Gegensatz zu den Cabanas, ein Schnäppchen. Gesagt, getan, gebucht.

Das Dhoni ist das Fortbewegungsmittel

Auf den Malediven sind wir am Flughafen Malé angekommen. Mit der Fähre geht es zur Hauptinsel und Hauptstadt Malé. Es ist sehr betonlastig, da die Bürogebäude dicht an dicht in den Himmel ragen. Rings um uns sehen wir das Meer, in dem Fall den sogenannten Lakkadivensee, ein Randmeer des Indischen Ozeans zwischen Indien, den Malediven und Sri Lanka.  Hier haben wir das erste Mal Kontakt mit unserer Crew, denn wir werden mit unserem Dhoni, dem Beiboot, abgeholt. Es ist atemberaubend wie viel Verkehr hier herrscht. Es scheint für jeden Geldbeutel was dabei zu sein: vom Wassertaxi bis zum  Wasserflugzeug. Ebenfalls ist erstaunlich, wie viele kleine Häfen es gibt und vor allen Dingen, welche Boote drin stehen. Von der Privatyacht, über Tauch Spas, bis hin zu Luxuslinern und Segeltouren –  es scheint ein ganz neuer Reisetrend entstanden zu sein, der nun langsam auch nach Deutschland schwappt.

Auf dem Segelboot werden wir mit einem Cocktail in Empfang genommen und genießen die XXL Couch am Heck. Wir sind insgesamt 13 Gäste unterschiedlicher Nationalitäten, von Kanadiern über Asiaten, Südafrikanern und Briten. Schnell wird klar, die Verständigungssprache der nächsten acht Tage wird englisch. Klar, denn auch die Crew rund um Kapitän Shafy, kommt aus Asien und spricht englisch.

Eine Sandbank mitten im Indischen Ozean –  ganz für uns allein

Zum Sonnenuntergang legen wir ab und bald wartet bereits das erste Highlight auf uns: eine Sandbank mitten im Ozean. Es ist unglaublich. Wir fahren mit unserem Boot mitten durch den Indischen Ozean und auf einmal taucht aus dem Nichts ein Sandstreifen auf. Der Kapitän wirft den Anker aus und wir werden mit dem zweiten Beiboot, dem kleinen Dingi, zur Sandbank gefahren. Wir genießen es alle sehr und können unser Glück kaum fassen.

Zurück an Bord gibt es Abendessen und danach geht es in die Kabine. Klein aber fein, lautet hier die Devise. Zugegeben, das Segelboot aus Holz ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber versprüht gerade daher ein ganz besonderes Flair. Außerdem finden wir in der Kabine alles, was es auch auf einem Kreuzfahrtschiff gibt.

Wir starten am nächsten Morgen mit Kurs auf das Süd Malé Atoll. Die Malediven bestehen aus diversen Atollen und über 1200 Inseln. Von denen sind 220 von Einheimischen bewohnt und 87 für den Tourismus genutzt.

Sind die Malediven überhaupt noch sicher???

Wir werden ausschließlich einheimische Inseln besuchen. Doch der Schein trügt, wer glaubt, hier nur kleine, ruhige Dörfer vorzufinden. Viele Einheimische wollen in den Tourismus einsteigen, müssen dafür aber auch den Preis zahlen, Kompromisse einzugehen und den Touristen etwas zu bieten. Denn die Staatsreligion auf den Malediven ist der Islam. Streng gläubig sind die Muslime hier und es gilt sogar die Scharia. Noch prangern einen Quadratmeter große Schilder mit Bikini Verbot an den Stränden. Die Gesetze werden in den nächsten Jahren gelockert, denn kaum ein Tourist würde sich vermummt an den Strand legen. Auch wenn noch keine Hotels gebaut sind, die Touristenshops sind bereits da. Wir werden hereingelockt. Neben Muscheln und Strandtüchern gibt es viel Schmuck und Dekoration aus Treibholz.

An diesem Morgen bekommen wir ein traditionelles, maledivisches Frühstück. Das heißt, es gibt eine Art Crepe aus Kokosnussteig, Roschi genannt, den man mit verschiedenen Pasten aus Rind, Thunfisch oder Gemüse befüllt. Das macht gut satt und schmeckt unglaublich lecker. Nach einem Verdauungsspaziergang steht fest: herrlich ist es hier auf diesem Fleckchen Erde. Alle Einheimischen begrüßen uns mit einem Lächeln. Jede Insel hat übrigens ihre eigene Sprache, dabei bestehen manche Dörfer gerade mal aus 400 Einwohnern.

Wer seinen Kopf auf den Malediven nicht einmal unter Wasser steckt, ist selbst Schuld

Die nächsten Tage fahren wir jeweils morgens und nachmittags mit unserem Dhoni zu verschiedenen Riffs und sehen Korallen, sowie Fische in allen Regenbogenfarben. Da sind Fischschwärme, die bestehen aus über 20.000 Fischen. Gezählt habe ich sie freilich nicht, aber es ist atemberaubend, wenn Tausende von Falterfischen mit ihren gelben Flossen über, um und neben einem schweben und es kein Ende nimmt. Einen majestätischen Napoleonfisch haben wir ebenfalls gesichtet. Die kleinen Anemonenfische, besser bekannt als Clownfische, finden wir unter Wasser auch, obwohl sie ein wenig anders aussehen, als im Film. Denn sie haben hier auf den Malediven nur einen weißen Streifen. Passend zum Film „Findet Nemo“, sehen wir auch Weißkehl-Doktorfische, die uns durch die Figur „Dori“ bekannt sein dürften. Oft wurden wir gefragt, ob wir auch Haie gesehen haben. Ja haben wir. Einen ganz kleinen Vertreter der Weißspitzenhaie haben wir am Strand entdeckt, der war wirklich noch winzig. Zwei Schwarzspitzenriffhaie haben wir beim Schnorcheln gesichtet, in ca. 25 Metern Tiefe, denn soweit konnten wir auf den Malediven im kristallklaren Wasser schauen. Es gibt auch noch etliche Tauchspots, wo es richtig viele Haie gibt. Doch da sollten nur geübte Taucher hingehen. Merke: große Fische lieben starke Strömungen. Ganz fasziniert sind wir von den Schildkröten, die vollkommen ruhig neben uns herschwimmen, auftauchen, um zu atmen und unsere Unterwasserkamera inspizieren, fast so, als würden sie sie anriechen.

Manta Hotspot inklusive

An einem Morgen fahren wir zu einem Hotspot, um Mantas zu sichten. Zu Beginn springen wir alle gemeinsam, das heißt mit 11 Teilnehmern, ins Wasser und versuchen, den mächtigen Rochen an den Hinterflossen zu kleben. Bis jedoch jeder im Wasser ist, hat sich das Tier schon längst verzogen. Eine andere Taktik muss her und so springt jeder an einer anderen Stelle vom Boot und sichtet „seinen“ eigenen Manta-Rochen. Ich hatte das Glück, dass ich direkt neben drei Mantas gelandet bin. Die Tiere sind sehr groß, ihre Flossenspanne beträgt knapp zwei Meter. Angst habe ich keine, denn die Mantas sind reine Vegetarier und fressen Plankton. Mit offenem Maul schwimmen sie gegen die Strömung und nehmen alles mit, was ihnen in den Rachen kommt. Wo wir auch beim Problem wären. Denn so feenhaft die Mantas gegen die Strömung schwimmen, als Schwimmer hat man arg zu kämpfen und so währt der Anblick nicht lange. Daher geht es immer wieder aufs Boot und rein ins Wasser zum nächsten Versuch, einen Manta 30 Sekunden zu beobachten. Am Ende des Tages sind wir uns einig: das war harte Arbeit, aber hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Sterne zählen am Firmament

Am letzten Abend erwartet uns noch ein besonderes Highlight. Wir fahren gegen Abend in der Dunkelheit auf eine einsame Insel. Zu dumm, dass unser kleines Dingi kein eigenes Licht hat und so hält ein Steuermann eine Taschenlampe, die bei der ersten Welle erlischt. Von Wellen hin und her geschaukelt, rudern wir durch die Dunkelheit und kommen gesund und heil am Ufer der Insel an. Dort erwartet uns eine Sandfigur in Form eines Walhais. Die Insel ist gesäumt mit Kerzen und wir werden zu einem Barbecue am Strand eingeladen. Das bedeutet, Fisch und Garnelen, so viel wir wollen (und reingeht). Gemeinsam mit unserer, nun sehr zusammengeschweißten Truppe, sitzen wir auf Strandstühlen direkt am Wasser; lauschen den Wellen, sehen von der Ferne unser Segelboot und genießen den Blick auf einen überwältigenden Sternenhimmel.

Ein „Muss-man-einmal-im-Leben-gemacht-haben“? Definitiv

Zu dekadent? Nein auf keinen Fall. Wir waren jeden Tag morgens und nachmittags schnorcheln, die Haare wurden erst abends wieder hergerichtet. Die meisten von uns trugen während des gesamten Urlaubs überwiegend Badekleidung und ein Schlabber-T-Shirt, damit wir uns nicht verbrennen (Lichtschutzfaktor 50 ein MUSS!). Langweilig? Um Gottes Willen. Wir waren jeden Tag an unterschiedlichen Riffen, haben seltene Wassertiere gesehen und einheimische Speisen probiert. Wir konnten wählen, ob wir schnorcheln, tauchen oder uns am Strand aufhalten wollten, Kokosnusswasser schlürfen inklusive. Ein „Muss-man-einmal-im-Leben-gemacht-haben“? Für mich definitiv. Die Malediven werden immer in den Urlaubshimmel gelobt und das zu Recht. Wer Erholung, Palmenstrände, Entspannung UND Abenteuer sucht, dem kann ich eine Bootstour empfehlen. Wer einen schicki-micki Urlaub möchte, sollte ein wenig Geld zusammen kratzen, um auf einer privaten Insel in einer Cabana zu residieren. Wir sind uns alle einig, den erlebnisreicheren Urlaub hatten definitiv wir. Es ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Denn bei den Cabanas muss man ziemlich weit laufen, um an die Rezeption, Aktionen und das Essen! zu kommen, außerdem soll es durch das Wasser ziemlich laut sein und: eine Woche auf einer Insel, über die man in 20 Minuten laufen kann?  Genau. 

Für uns steht fest, wir kommen wieder und zwar definitiv für eine Segeltour, dann aber ein anderes Atoll, denn die Malediven haben mehr zu bieten, als nur Strand und Palmen.

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