Ich habe ihn gefunden, diesen – meinen Ort.

Bei meiner ersten Etappe auf dem Camino del Norte von Irun nach Pasaia, habe ich ein Monument gekreuzt beim Aufgang auf den Berg Jaizkibel. Dort war ein Parkplatz und dort standen viele Wohnmobile. Ich dachte damals: „Wie toll muss es sein, dort zu stehen und den Ausblick zu genießen“. Später auf dem Jakobsweg sah ich ein Mädchen, die mit ihrem Van und Hund unterwegs war und war total fasziniert von ihr. Ich dachte: „Das möchte ich auch, aber das geht nicht, wegen Flynn.“ Nun habe ich einen Van und nehme Flynn mit. Unbedingt wollte ich an diesem Ort stehen. Ich habe ihn gefunden.

Google tut sich bei Bergen manchmal schwer und wollte mich einmal außen rumschicken. Wie dem auch so, nach einem kurzen Gespräch mit einem Spanier, der mir erklärte, da kommt bis Pasaia keine Brücke und dort oben ist es schön Plan zum Schlafen, wusste ich, das ist mein Ort. Ich sah von der Ferne das Monument, erinnerte mich sogar  an die Straße und jubelte in meinem Auto einfach nur.

Ein anderer Camper stand da, ein Franzose. Ich  habe ihn direkt angesprochen und wir haben sozusagen alles geklärt, ob man da stehen darf etc. In der Nacht kamen insgesamt 4 weitere Autos hinzu. Am Wochenende sollen wohl mal ein paar Leute dort auch Party machen. Die sollen bitte ihren Müll mitnehmen, genau so wie die Camper. Ich habe nämlich am nächsten Morgen erst einmal Müll eingesammelt, weil dort 2 Müllsäcke abgeladen wurden. Für mich ist das einer der schönsten Orte der Welt, er bedeutet mir so viel und soll schön bleiben.

Warum bedeutet mir dieser Ort so viel? Weil ich am 16.7.2019 die erste Etappe gelaufen bin, am Geburtstag meines Vaters (und ihm auch diesen Tag gewidmet habe). Außerdem war ich gerade frisch getrennt von meiner 10 jährigen Beziehung. Ich bin den Jakobsweg gelaufen und habe dort meinen Zugang zu Gott gefunden. Wir sind alle miteinander verbunden und Gott ist überall. Ich habe vielmehr das Vertrauen in Gott und somit das Vertrauen ins Leben gefunden. „Trust the camino“ das ist mein Mantra, was mich auf dem Weg und seitdem ständig begleitet. Und hier habe ich das erste Mal bewusst Wohnmobile wahrgenommen, wenngleich ich in Australien schon einen Roadtrip gemacht habe und ein erneuter in Kalifornien ein halbes Jahr später folgte.

Ich habe mich schön eingerichtet und stapfe direkt noch 16 Uhr zu meiner ersten kleinen Runde los. Da ich in Nordspanien bin, habe ich zwei Stunden mehr Helligkeit als in Hamburg. In Hamburg wird es im Winter gegen 8.30h richtig hell und schon gegen 15.30h dämmert es. Bis 18 Uhr möchte ich aber am Wagen zurück sein. Ich laufe also den Berg nach unten und verstehe, warum einige bewusst diese Etappe „andersrum“ als chronologisch vom Jakobsweg laufen. Außerdem verlaufen viele Wanderwege, so zum Beispiel der GR 11 grand route auf gleichen Pfaden wie der Camino del Norte. Der Ausblick runter zum Wasser ist gigantisch. Der Weg ist ziemlich aufgeweicht durch den ganzen Regen und richtig dicker Matsch klebt an meinen Schuhen. Da weiß ich, das ist eine gute Wanderung. Nach 45 Minuten kehre ich um und straze den Berg wieder rauf. Ich freu mich auf einen schönen, warmen Tee.

Der Sturm in der Nacht nimmt richtig Fahrt auf. Ich entschließe mich zu später Stunde noch etwas weiter nach vorn zu rollen, um geschützter hinter einem Busch zu stehen. Auch wenn ich keinen Strom mehr habe, läuft die Standheizung  und der Gasherd erfüllt jegliche Anforderungen, um ein warmes Getränk zu nehmen. Es ist herrlich und im tiefsten Sturm, bin ich glücklich, da ich wieder zu Hause bin. Ich weiß, dass ich auch durch die vielen Meditationen diesen Ort nun in mir trage, dennoch ist der Jakobsweg ein Stück Heimat. Mit Flynn hier zu stehen, bedeutet mir wahnsinnig viel.

Die Nacht war wackelig. Ich starte den Morgen noch in der Dunkelheit mit einer Meditation im Van und setze mich dabei vor die Standheizung. Danach schnüre ich mir die Schuhe, um den Berg Jaizkibel nun weiter nach oben zu erklimmen.

Wie war das doch gleich? Das Wetter kann auf dem Berg schnell umschagen? Ich laufe im trocknen los und keine zehn Minuten später hagelt es. Zum Glück kann ich mich unter Bäumen unterstellen. Ich laufe weiter und komme oben auf dem Kamm an. Es blitzt, aber zum Glück ist das Gewitter schon weiter gezogen. Ich kann Pasaia erblicken und eine langgezogenen Küstenroute von Bergen und Meer. Nach einer Stunde kehre ich um und laufe zunächst auf der Zufahrtsstraße zur Wetterstation. Denn Berg runter erscheint es mir doch sehr glitschig. An einer Stelle, wo die Pferde nicht durchkönnen oder sollen, ich als Wanderer jedoch schon, laufe ich wieder übers Gras. Keine zwei Minuten später fängt es erneut an zu hageln. Auch hier stelle ich mich wieder unter höheren Büschen unter und setze mich auf einen Stein bei einem Bach. Nach kurzer Zeit hört es auf zu hageln und ich laufe einfach den Flusslauf weiter nach unten.

Abenteuer entstehen nicht in der Komfortzone.

Ich fühle mich lebendig, angekommen.

Seit zwei Jahren ist so viel passiert. Ich habe mich entwickelt, die ganze Welt hat sich verändert (wie philosophisch) und ich habe meinen Reisekater im schönsten Van an einem für mich schönsten Orte der Welt dabei.

Am Auto angekommen, sammle ich den Müll der Umweltverschmutzer auf, damit andere Menschen ebenso große Freude an diesem Ort haben, wie ich.

Wenn es möglich ist, und ich werde es möglich machen, kommen ich wieder hier hin.

#micamino #trustthecamino

Der Parkplatz heißt übrigens Hondarribia 20280, 38D, Jaizkibel v. Dorrea (Erramuz) ❤

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I have found it, this – my place.
During my first stage on the Camino del Norte from Irun to Pasaia, I crossed a monument on the ascent of Mount Jaizkibel. There was a parking lot there and there were many campers. I thought at the time, „How great it must be to stand there and enjoy the view“. Later on the Way of St. James, I saw a girl who was traveling with her van and dog and was totally fascinated by her. I thought, „I want to do that too, but I can’t because of Flynn.“ Now I have a van and I take Flynn with me. Absolutely I wanted to stand in that place. I found it.
Google sometimes has a hard time with mountains and wanted to send me around once. However, after a short conversation with a Spaniard, who explained to me, there comes to Pasaia no bridge and up there it is nice plan to sleep, I knew, this is my place. I saw from a distance the monument, even remembered the road and just cheered in my car.
Another camper was standing there, a Frenchman. I approached him directly and we sort of worked everything out, if it was ok to stand there etc. In the night, a total of 4 other cars came. At the weekend, a few people should probably also party there. They should please take their garbage, just like the campers. I have namely collected the next morning only once garbage, because there 2 garbage bags were dumped. For me, this is one of the most beautiful places in the world, it means so much to me and should remain beautiful.
Why does this place mean so much to me? Because I ran the first leg on 7/16/2019, on my dad’s birthday (and dedicated that day to him too). Also, I was just freshly separated from my relationship of 10 years. I walked the Camino de Santiago and found my access to God there. We are all connected and God is everywhere. I rather found trust in God and therefore trust in life. „Trust the camino“ that is my mantra, what accompanies me on the way and since then constantly. And this is where I first became aware of RVs, although I already did a road trip in Australia and another one in California followed half a year later.
I set up nicely and trudge off directly still 16 o’clock to my first small round. Since I am in northern Spain, I have two hours more brightness than in Hamburg. In Hamburg it becomes in the winter against 8.30h correctly bright and already against 15.30h it dawns. But until 18h I want to be back at the car. So I run down the mountain and understand why some deliberately run this stage „the other way around“ than chronologically from the Way of St. James. In addition, many hiking trails, for example, the GR 11 grand route run on the same paths as the Camino del Norte. The view down to the water is gigantic. The path is quite soaked by all the rain and really thick mud sticks to my shoes. Then I know, this is a good hike. After 45 minutes I turn around and go back up the mountain. I look forward to a nice warm tea.
The storm at night really picks up speed. I decide to roll a bit further forward at a late hour to stand more protected behind a bush. Even though I have no more electricity, the parking heater is running and the gas stove fulfills any requirements to take a warm drink. It is wonderful and in the deepest storm, I am happy because I am back home. I know that also through the many meditations I now carry this place in me, yet the Way of St. James is a piece of home. Standing here with Flynn means an insane amount to me.
The night was shaky. I start the morning still in the dark with a meditation in the van and sit down in front of the heater. Afterwards I lace up my shoes to climb the mountain Jaizkibel now further up.

What was that again? The weather can change quickly on the mountain? I start running in the dry and not ten minutes later it hails. Fortunately I can shelter under trees. I continue walking and arrive at the top of the ridge. There is lightning, but fortunately the storm has already moved on. I can see Pasaia and a long coastal route of mountains and sea. After an hour I turn around and walk first on the access road to the weather station. Because downhill it seems to me nevertheless very slippery. At a place, where the horses can not or should not go through, I as a hiker however already, I run again over the grass. No two minutes later it begins to hail again. Also here I place myself again under higher bushes and sit down on a stone near a brook. After a short time it stops hailing and I just walk further down the stream.

Adventures don’t happen in the comfort zone.

I feel alive, arrived.
For two years

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