Der bisher traurigste Tag meiner Reise

Seit 3 Wochen bin ich nun in Malaga auf dem Campingplatz und habe meinen Nachbarn mit seinem Hund Mozart schon ganz gut kennen gelernt.

Schon als ich ankam, meinte er, dass Mozart, ein Golden Red Riever Rüde, 14 Jahre alt ist und in den nächsten 8 Wochen sterben werde.

Dieser Tag ist nun gekommen.

Gestern Abend bin ich ein paar Runden über den Campingplatz spaziert. Jedes Mal, wenn ich meinen Parkplatz streifte, kam Mozart wie ein Welpe auf mich zugehopst. Ich habe gespürt, das es anders war, als die Tage zuvor, der letzte Energieschub.

Heute Morgen sagte mein Nachbar, er warte auf den Tierarzt. Mozart sei heute Nacht ein paar Mal gestürzt und hat auch nicht gefrühstückt.

Das traf auch mich wie ein Schlag.

Wir kennen uns zwar erst seit 3 Wochen, aber sind nun auch keine Fremden mehr.

So warteten wir eine Stunde auf den Tierarzt bei Mozart auf der Decke. Zu wissen, das er in 60 Minuten nicht mehr bei uns sein wird, war furchtbar.

Überhaupt einen Tierarzt zu finden, der sonntags arbeitet, noch dazu während Corona, war nicht einfach. Aber über eine Freundin hatten wir es geschafft. Nun musste noch an der Rezeption angemeldet werden, dass das Tor geöffnet wird.

Wir dürfen ja mit unseren Wohnmobilen im Moment in der strengen Situation in Spanien nicht herausfahren. Aber es war in dem Fall ein medizinischer Notfall, somit durfte der Veterinärmediziner hereinkommen.

Zu Zeiten von Corona war nun doch alles sehr steril: mit Mundschutz, Handschuhen und ohne Hände schütteln ging es ins Wohnmobil. Mein Nachbar erbat sich noch die letzten 5 Minuten allein mit seinem besten Freund, den er seit 14 Jahren, davon 5 im Wohnmobil, dabei hatte.

Nun standen also der Arzt, sein Helfer, unsere Verkäuferin vom Shop des Campingplatzes (die als Übersetzerin fungierte) und ich vorm Wohnmobil in der sengenden Hitze der Mittagssonne und warteten. Die wohl längsten 5 Minuten meines Lebens.

Dann öffnete sich die Tür, der Arzt und sein Helfer gingen rein, die Tür schloss sich wieder.

Erneutes Warten vorm Wagen. Mein Herz raste und ich weinte.

Mein Nachbar kam irgendwann raus, weinte ebenfalls. Man ist nie auf so etwas vorbereitet, auch wenn man glaubt, es zu sein.

Der Tierarzt und sein Helfer kamen heraus und sagten, wir sollen zum Meer schauen, wir sollen das nicht ansehen… das damit meinten sie, wie sie den Hund ins Auto transportierten.

Die beiden sind in die Tierarztpraxis gefahren, der Hund kommt dann ins Krematorium und mein Nachbar bekommt in zwei Wochen die Asche.

Eine unfassbare Situation, die immernoch nicht real ist.

Bei meinen Eltern haben wir die verstorbenen Katzen immer im Garten vergraben. Hier auf dem Campingplatz geht das natürlich nicht, zumal der Hundekörper auch wesentlich größer ist.

Ich denke, es sollte so sein, dass ich für meinen Nachbar eine Stütze sein soll. Der Hund hätte auch eher sterben können, wenn wir uns noch nicht so lang kennen. Unter der jetzigen Situation kann er ja auch nicht zu Freunden oder Familie. Somit bin ich sozusagen die einzige, die real hier gerade bei ihm ist. Ich habe kurz hin und her überlegt, ob und wie ihn tröste. Ich hätte ihn am liebsten in den Arm genommen. Einen fast wildfremden Menschen und das zu Zeiten von Corona. Ich habe ihm dann mehrere Male eine Hand auf die Schulter gelegt.

Mozart hatte ein wundervolles Hundeleben mit vielen Abenteuern und reisen. Er sollte nicht leiden und so ist es gekommen. Wir alle wissen, dass es für ihn das beste ist.

Es bleiben schöne Erinnerungen und ein trauriger Abschiedstag an dem die Sonne doch so sehr strahlt, wie das kleine, friedliche Hundeherz.

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