Moldawien
Wusstest du, dass Moldawien von 279 Ländern der Welt auf Platz 270 der unbeliebtesten Länder liegt? Woran das liegt, weiß ich nicht. Ich nehme an, weil es nah an der ukrainischen Grenze und teils pro-russisch ist. Aber das kann ich nur erahnen.

Moldawien ist definitiv post-sowjetisch, mehr als andere Länder in Ost-Europa. Es fahren Trolley-Busse (der Bus hat wie eine Straßenbahn eine Oberleitung, kann aber im Falle eines Staus nicht ausweichen. Trolley Busse vereinen quasi alle Nachteile von Straßenbahn und Bussen).
Außerdem sind die Straßen immer recht breit, typisch sozialistisch eben. Vielleicht entwickelt sich die Stadt noch zu einer Millionen Metropole, daher wurde sie von Beginn an groß gebaut. Die Infrastruktur gleicht der einer Großstadt. Das heißt, ich habe das Gefühl, es gibt viel Platz für relativ wenig Menschen. Das ist teils in einigen anderen Städten auch so wie zum Beispiel Iash in Rumänien, von woher wir auch nach Moldawien gefahren sind. Mein Bruder war schon drei Mal da und wollte es mir gern zeigen, bevor Moldawien ggf. später einmal in die EU eintritt, sodass ich noch das ursprüngliche Moldawien kennenlernen kann. Die Hauptstadt von Moldawien ist Chisinau und ebenfalls als Millionen Metropole angelegt, mit gerade einmal 532.000 Einwohnern. Aber die Stadt pulsiert und floriert, wie fast alle kleineren und größeren osteuropäischen Städte. Überall tummeln sich Menschen, shoppen, trinken Kaffee.




Bei unserem Stadtrundgang fällt mir auf, dass es gar keine richtige Innenstadt im klassischen Sinne gibt. Hier und da ein paar Spots, ein Torbogen, Regierungsgebäude. Andererseits gibt es viele Cafés, Flaniermeilen und Parks. Einkaufszentren sind auch beliebt, künstlich hochgezogen, innen mit Brunnen und Pflanzen bestückt – wie überall. Nur das das Einkaufszentrum mitten gegenüber von einem Schloss steht, Stichwort Denkmalschutz. Alles was bei uns nicht geht, geht hier.

In einigen Dingen hängt uns Osteuropa hinterher: Autos, die nicht durch den deutschen TÜV gekommen sind, fahren hier noch immer mit deutscher Werbung umher, genauso sind Küchengeräte oder Stände auf dem Rummel im Einsatz. Da fühle ich mich manchmal wie auf einem Filmset, als wenn ich 30 Jahre zurück nach Deutschland versetzt worden wäre. Andererseits ist Osteuropa modern, mit Hochhäusern, es ist schnell, futuristisch, der Service Gedanke ist hoch. Kurzum: es ist eine Mischung zwischen neu und alt. Alt wird größtenteils definiert, durch die Geschichte zu Russland und die ehemalige Sowjetunion, das sieht man u.a. auch an den Plattenbauten.


Moldawien ist, wie fast jedes Land in Osteuropa, Beitrittskandidat zur EU. Wenn da nicht der Konflikt mit Transnistrien wäre.

Transnistrien ist die sogenannte abtrünnige Republik, die seit 1992 besteht, ein de facto Regime, was nur von Russland anerkannt wird und sich sogar eine Grenze mit der Ukraine teilt, die der Zeit geschlossen ist. Man kann von Moldawien nach Transnistrien ein- und ausreisen, bekommt eine Immigrationskarte und hat Moldawien verlassen und irgendwie auch nicht. Da Transnistrien pro-russisch ist, wirft die Frage, ob Moldawien in die EU eintritt, viele Fragen zum Transnistrien Thema auf, welches seit 30 Jahren ruht. Alle Seiten akzeptieren sich gegenseitig.
Moldawische Straßen – Besuch des Moldawischen Sees

Moldawien hat landschaftlich ein paar Berge zu bieten. Wir fahren auf Empfehlung von Einheimischen zum See. Dort ist wirklich nichts Touristisches und wir werden beäugt, wenngleich alle wie immer sehr höflich und gastfreundlich sind. Hier merkt man auch, bis wohin die EU Gelder fließen und Straßen bauen lässt. In Moldawien haben wir die schlechtesten Straßen auf der ganzen Tour erlebt. Es sind Huckelpisten und mit dem Camper müssen wir sehr aufpassen und den größeren Löchern ausweichen. Es ruckelt jedoch die ganze Zeit, sonst würden wir gar nicht voran kommen. Bei asphaltierten Straßen überfuhren wir oft sogenannte „Nähte“ zwischen den Platten, das knallt ordentlich. Je kleiner die Orte, desto weniger wurde gebaut. Einige Straßen sind pure Schotterwege ohne Asphaltbelag. Einem LKW platzt vor unseren Augen direkt der Reifen. Der Arme muss den Reifen auch selbst wechseln. Pannendienst in der Pampa? Fehlanzeige.
Der Unterschied zu Rumänien ist übrigens, in Rumänien gehen die Landstraßen oft durch die Orte und die ziehen sich kilometerlang, oftmals geht ein Ort in den anderen über. In Moldawien führen die Landstraßen oft um die Orte herum. Schneller geht es meist aber nicht, da wir teils nur 30km/h fahren können.
Der See ist eher eine braune Brühe. Wir stecken zur Abkühlung nur die Füße hinein. Danach erklimmen wir noch einen Berg. Dabei laufen wir an Häusern und einem Brunnen vorbei. Oben auf dem Berg gibt es ein paar Höhlen zu erkunden. Das ist echt ganz cool. Hinterher müssen wir uns stärken und mit Getränken abkühlen.








Essen
Das Essen orientiert sich am russischen Essen, es ist sehr deftig. Mein Bruder isst eine Art Pelmini. Als er wissen möchte, was in den Teigtaschen drin ist, kommt eine typisch russische Mama aus der Küche, mit Kittelschürze und Haube auf dem Kopf. Sie erklärt ihm, dass dort verschiedenes Gemüse enthalten ist und natürlich Fleisch. Daraufhin beschließt er, es zu probieren. Wir sind uns beide einig, dass hier noch traditionell gekocht wird. Genau so schmeckt es auch. Um uns herum sind ausschließlich Moldawier.
Zwei Tage haben wir den Ausflug hierhin unternommen.
Fazit:
Moldawien ist post-sozialistisch und prä-europäisch. Wer einmal in der Nähe ist und noch das richtige Ost-Europa erleben möchte, sollte es jetzt machen. Generell fand ich persönlich jedoch Rumänien oder Serbien landschaftlich interessanter und auch hier bekommt man Einblicke in die ehemalige Sowjetunion.
